SesamSesam

"SesamSesam" - Dancing Sound – Conducting Data, Festival "Sonifications" Berlin 2017
"SesamSesam" - Dancing Sound – Conducting Data, Festival "Sonifications" Berlin 2017
  • "SesamSesam" - Dancing Sound – Conducting Data, Festival "Sonifications" Berlin 2017
  • SesamSesam, interaktive Klangskulptur mit Sonification of WLAN-Traffic
  • SesamSesam, Tanzperformance mit Tomoko Mio
  • SesamSesam, Daten-Klangfenster zur Sonification von WLAN-Traffic
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Jutta Ravenna: SesamSesam (2017), interaktive Klangskulptur

Während des Festivals wird in der Villa Elisabeth ein temporäres Netzwerk eingerichtet, in das sich die Festivalbesucher mit ihren Mobilgeräten einwählen können. In Echtzeit wird dann über eine Klangskulptur, ein Datenklangfenster aus lichtdurchlässigen Leiterplatten, die Netzaktivität der eingewählten Smartphones sonifiziert. Durch die Sonifikation werden die Daten des Interaktions- und Kommunikationsverhaltens zu beobachtbaren Ereignissen, die entstehen, andauern und vergehen. Das Datenklangfenster funktioniert wie ein überdimensionales Display: Mehrere fest in das Objekt integrierte übergroße Zahlen- und Textdisplays sind mit verschiedenen Aktivitäten im Netz verknüpft und zeigen die gleichzeitig sonifizierten Daten, wie Aufenthaltsdauer, Log-In, Log-Out-Zeit, „Send“ und „Receive“, auch visuell an.

Doch SesamSesam sonifiziert WLAN-Traffic auch, um über physische Erfahrungen mit Daten für den Hörer das kinästhetische Erfassen des Auditiven zu ermöglichen, d. h. der Klang kann zusätzlich über Körperbewegungen vor einem Sensor beeinflusst werden. Damit wird einerseits das kollektive Publikum als Datengenerator wie auch andererseits eine einzelne steuernde Person zum wichtigen Bestandteil dieser Arbeit, in der es darum geht, auf die Netzpräsenz im kollektiven Datenraum zu horchen und die klangliche Atmosphäre physisch zu beeinflussen. Dies geschieht vor dem Datenklangfenster über einen 3D-Sensor, der die unmittelbare gestische Interaktion, Bewegungen und Raumwege scannt und die Klangskulptur zum spiel- oder steuerbaren Instrument werden lässt. In der kegelförmigen sensorischen Umgebung kann der beständig im Wandel begriffene Klang auf drei Raumachsen in freien Bewegungen schiebend, rotierend, pendelnd in sanften Linien oder kurzen Stößen „ertastet“ werden. Die einzelnen Besucher erforschen mit ihrem Körper diese „kinetischen Objekte“ im Sensorraum, zugleich malen ihre Bewegungen Klanglinien in den Raum. In der kinästhetischen Wahrnehmung von Klang begegnen sich Leiblichkeit und formale Algorithmen. Um mit Maurice Merleau-Ponty (Phänomenologie der Wahrnehmung, 1949) zu enden: „Endlich ist mein Leib für mich so wenig nur ein Fragment des Raumes, dass überhaupt kein Raum für mich wäre, hätte ich keinen Leib.“

Technische Realisation • Liang Zhipeng und Timo Engel 

Jutta Ravenna