Pulsating Patio

Pulsating Patio, Festival Heroines of Sound, Pallasseum (Feld 1)
Pulsating Patio, Festival Heroines of Sound, Pallasseum (Feld 1)
  • Pulsating Patio, Festival Heroines of Sound, Pallasseum (Feld 1)
  • Klangcontainer vor dem Pallasseum (Feld 1)
  • Pulsating Patio, Festival Heroines of Sound, Radialstem (Feld 2)
  • Pulsating Patio, Terrasse mit Schallquellen
  • Hören vom Steg aus im Radialsystem Berlin (Feld 2)
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Pulsating Patio (Feld 1 + 2)

2 ortsbezogene Klanginstallationen, Festival Heroines of Sound, Berlin 2015

Ich habe versucht, zwei Orte Berlins und zwei akustische Situationen, die im Stadtraum normalerweise getrennt voneinander existieren, miteinander zu verbinden. In beiden Umgebungen fand ich Geräusche, die ich dislokalisieren und neu implantierten konnte.

Das Pallaseum und das Radialsystem: Mir gefielen ihre Kontraste hinsichtlich Lautsphäre und Akustik. Auch die sozialen und funktionalen Unterschiede, ihre architektonischen Parallelen als Riegelkonstruktionen (aus Glas oder Beton auf Relikten des 2. Weltkriegs) fand ich interessant:

Einerseits das Radialsystem, ein ehemaliges Pumpwerk, als hochfrequentierter Veranstaltungsort, andererseits das Pallasseum als Wohnkomplex; die Ufersituation am Wasser und demgegenüber die den dröhnenden Verkehr verstärkende Straßenüberführung des Pallasseums als Betonriegel.

Das 1881 erbaute Radialsystem ist durch seine besondere Lage am Wasser charakterisiert. Seine dicht am Ufer der Spree gelegene Terrasse, eingebunden in Wasser-, Auto- und Schienenverkehrsadern, bietet Gelegenheit, die spezifische urbane Lautsphäre bewusst zu hören: Gedämpfte Verkehrsgeräusche von der Schillingbrücke, Bootsmotoren, Ufervögel und Wassergeräusche prägen das nahe akustische Umfeld. Aus der Ferne ertönt von Zeit zu Zeit der Schienenverkehr des Ostbahnhofs. An manchen Tagen hört man die pulsierenden Rhythmen der Partyboote oder die Musik der anliegenden Technolokalitäten.

Völlig anders klingt hingegen das Soundambiente im Bezirk Schöneberg.

Das über einen Bunker des 2.Weltkrieges wie ein Brücke über die Straße gebaute Pallasgebäude wurde 1977 nach Entwürfen des Architekten Jürgen Sawade errichtet, ein Wohnkomplex im sozialen Brennpunkt. Die Lautsphäre wird von Wohn- und Straßengeräuschen geprägt. Das Gebäude über der Pallasstraße funktioniert wie ein akustischer Verstärker.

In dieser Umgebung habe ich beim Öffnen des Kleidercontainers ein Containergeräusch gefunden und dieses Geräusch auf der Terrasse des Radialsystems implantiert. Dafür habe ich auf der Terrasse des Radialsystems nahe am Wasser ein Feld aus Lautsprechern installiert und dem Ort eine akustische Zeichnung aus Linien hinzugefügt. Immer, wenn man auf der Terrasse weilt, hört man das metallische Containergeräusch: Dafür habe ich dieses Geräusch gedehnt, verstärkt und spatialisiert. Das Klangfeld aus miteinander vernetzten Schallquellen suggeriert eine vertikale, schnell aus sich heraus drängende Linie. Hingegen hört man unten vom Steg aus an 4 Raumpunkten statisch angelegte Wohngeräusche, die ich im Pallasseum fand.

Auch dem Ort am Pallasseum habe ich einen neuen Hörraum hinzugefügt: Im Container vor dem Pallasgebäude versteckte ich auf engstem Raum in Miniatur ein zweites tontechnisches Equipment. Immer wenn man in Schöneberg an den Klangcontainer tritt, hört man dort das Spreeufer beim Radialsystem und Klangausschnitte des Festivals Heroines of Sound.